„Darf ich dieses Foto veröffentlichen?“

Das Thema Bildrechte sorgt immer wieder für Fragen und Unsicherheiten. Seit Inkrafttreten der DSGVO hat sich die rechtliche Situation noch etwas verschärft.

Hartnäckig halten sich in der Medienwelt weitverbreitete Meinungen zum Thema Fotorechte. Die berühmteste ist wohl jene von der magischen „Obergrenze von fünf“. Fünf Personen auf einem Bild reichen angeblich aus, damit das Foto ungehindert veröffentlicht werden darf. Weit gefehlt! Zeit, um sich die Mühe zu machen, mit den Gerüchten aufzuräumen und die grundsätzlichen Fakten rund um das Thema Bildrechte zusammenzufassen.

Eine Sache vorab: In vielen Fällen gibt es rechtliche Grauzonen, weil die Trennung zwischen „erlaubt“ und „verboten“ nicht eindeutig gezogen werden kann. Unser Tipp: sichert Euch im Zweifelsfall lieber einmal zuviel ab als zu wenig. Zur Vereinfachung des Leseflusses spreche ich im Folgenden nur von Fotos, natürlich gelten für Videos die gleichen Rechte.


Wer hat welche Rechte an einem Foto?

Jedes Foto hat mehre Rechteinhaber: Der Fotograf besitzt die Urheberrechte, die abgelichtete Person die Persönlichkeitsrechte. Und sogar manche Gebäude dürfen nicht einfach abgelichtet und veröffentlicht werden, denn auch hier kann auch ein Urheberrecht verletzt werden. Das hört sich kompliziert an, ist es aber eigentlich nicht. Lasst uns einen Blick auf die einzelnen Rechteinhaber werfen.


Der Fotograf als Urheber

Das Urheberrecht ist nicht übertragbar und bleibt immer dem Urheber vorbehalten. D.h. der Fotograf ist und bleibt der Urheber. Die Nutzungsrechte wiederum sind übertragbar. Daher dürfen Dritte mit dem Einverständnis des Fotografen das Bild veröffentlichen. Die Rahmenbedingungen für das Nutzungsrecht, z.B. ob das Bild exklusiv genutzt wird, ob es zeitlich oder räumlich beschränkt ist oder auch in welchem Rahmen das Bild veröffentlicht wird, geregelt werden. Die rechtliche Absicherung schützt in diesem Fall beide Seiten – den Urheber und den Nutzer.


Die abgebildete Person

Neben dem Urheber muss auch die Person, die auf dem Bild zu sehen ist, ihre Zustimmung geben. Das schreibt das Kunsturhebergesetz (KUG) so vor, denn dort heißt es: jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild.

Zu dieser Regel gibt es allerdings einige Ausnahmen. Folgende Personen müssen nicht um Erlaubnis gebeten werden:

  • Personen der Zeitgeschichte, bspw. Politiker
  • Personen, die nicht im Fokus der Aufnahme stehen, sondern nur als „Beiwerk“ zu sehen sind, bspw. bei einer Landschaftsaufnahme
  • Große Personenansammlungen, wie z.B. Demonstrationen
  • Personen auf Bildnissen, die einem höheren Interesse der Kunst dienen (Kunstfotografie)

Doch auch diese Ausnahmen sind nur zulässig, wenn kein berechtigtes Interesse des Abgebildeten verletzt wird. Das könnten beispielsweise Persönlichkeitsrechte sein, die dann besonders zum Tragen kommen, wenn die Person nicht in seiner eigentlichen Funktion abgelichtet wird. Besonders brenzlig wird es, wenn die Person außerhalb ihres Funktionsbereichs in einer unangenehmen Situation gezeigt wird. Als Beispiel: Ein Foto eines Politikers vor dem Bundestag wird veröffentlicht. Hier ist rechtlich alles in Ordnung, denn als sogenannte „öffentliche Person“ ist er in seiner Funktion als Politiker unterwegs. Wird der Politiker allerdings während seines Urlaubs am Strand in Badehose abgelichtet, so bedeutet das einen Einschnitt in seine Privatsphäre. Für die halbnackte Darstellung des Politikers auf dem Foto besteht kein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit.


Das Recht am eigenen Bild - Model Release

Auf Grund des Rechtes am eigenen Bild ist es meist ratsam, sofern keine der o.g. Ausnahmen vorliegt, sich immer die Einwilligung in Form eines Model-Releases einzuholen, um ein Foto zu verbreiten. Das gilt im übrigen auch für den sogenannten Property-Release, denn Eigentum – und dazu zählen oft auch (Haus-)tiere oder Gebäude (s.u.) ist ebenfalls oft rechtlich geschützt.


Haben Gebäude wirklich Rechte?

Das Stichwort hier heißt Panoramafreiheit. Es ist grundsätzlich zulässig, vor einem öffentlich zugänglichen Ort zu fotografieren und diese Bilder auch zu veröffentlichen. Doch auch hierbestätigen Ausnahmen die Regel, beispielsweise private Gebäude, wie das Haus des Nachbarn oder auch Innenaufnahmen, die durch ein Fenster fotografiert worden sind, oder aber Kunstwerke, wenn sie sich nicht dauerhaft an einem Ort befinden, wie z.B. eine Wanderausstellung oder auch wenn die Architektur eine geistige Schöpfungshöhe (Definition nachzulesen auf urheberrecht.de) aufweist, muss dieser vorab gefragt und ggf. bei der Veröffentlichung genannt werden.


Und was ändert die DSGVO?

Mit jedem digitalen Foto werden auch personenbezogene Daten, wie Datum oder GPS-Koordinaten des Aufnahmeorts gespeichert. Wer ein Foto veröffentlicht, sollte den Abgebildeten schon vor der Aufnahme über den genauen Erscheinungsort, Zweck und Zusammenhang informieren und die Erlaubnis erbitten. Wichtig: Das Ganze sollte schriftlich festgehalten werden, denn wer veröffentlicht, muss das Einverständnis nachweisen. Wer nicht zu erkennen ist, hat keine Rechte? Auch eine weitverbreiteter Irrglaube: Personen können auch verpixelt von Freunden oder Verwandten erkannt werden. Hier liegt die Messlatte recht hoch und man sollte genau darauf achten, dass der Abgelichtete wirklich nicht zu identifizieren ist.

Die DSGVO erlaubt dem Abgebildeten ein Widerrufsrecht. Das bedeutet, dass das Einverständnis nachträglich jederzeit wieder entzogen werden kann. Was bedeutet, dass anschließend keine weiteren Veröffentlichungen mehr erlaubt sind.


Fazit Bildrechte

Das Urhebeberrecht sollte immer geklärt sein und empfehlenswerterweise die Nutzungsrechte mit dem Fotografen vertraglich festgelegt werden. Das heißt: grundsätzlich sollten keine Fotos von unbekannten Fotografen veröffentlicht werden. Wer von den abgebildeten Personen ein schriftliches Einverständnis vorliegen hat, ist immer auf der sicheren Seite. Dabei ist es wichtig, das Projekt und die Veröffentlichung detailliert zu beschreiben. Auch beim Veröffentlichen von Gebäuden, die urheberrechtlich geschützt sind, ist es notwendig eine Einverständniserklärung des Urhebers bzw. des Nutzungsrechteinhabers einzuholen.

Profilbild Lara Röhrich

Lara Röhrich

PR-Beraterin / Bewegtbild

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