Gendert ihr schon?

Der Streit um gendergerechte Sprache ist in Verlagen, Redaktionen und bei Sprachwissenschaftlern ausgebrochen. Grund genug, dass wir uns als contentorientierte Agentur, die sich tagtäglich mit Texten und Sprache beschäftigt, diesem Thema auch zuwenden. Dazu haben wir uns mal bei uns im Team umgehört – mit erstaunlichen Ergebnissen: Zwei Drittel ist gegen eine gendergerechte Sprache, ein Drittel findet sie wichtig und richtig. Erstaunlich deswegen, weil unser Team komplett weiblich geprägt ist. Hier einige Statements von unseren Berater*innen:

Gendern im Fließtext stört den Lesefluss –
Michaela (Junior PR-Beraterin): 

Ich ziehe mein Selbstwertgefühl nicht daraus, ob ich mit der weiblichen Substantivform angesprochen werde. „Die Schüler“, „die Studenten“, „die Mitarbeiter“ – für mich sind hier beide Geschlechter gemeint. Außerdem finde ich, dass gendern im Fließtext den Lesefluss stört. In der Anrede oder sonstigen direkten Ansprache allerdings verwende auch ich beide Formen. Doch wo fängt man mit dem Gendern an und wann ist es übertrieben? Oder verwendet man wenn möglich lieber das Partizip auf -ierende? Studierende, das geht ja noch. Als wir in der Uni dann aber plötzlich den Terminus „Dozierende“ verwenden sollten, war ich raus. Und als mir der klägliche Versuch „Ausstellungsbesucherinnen und Ausstellungsbesucher“ untergekommen ist, musste ich losprusten. Im Endeffekt kann man es nie allen recht machen. Auf welche Art und Weise man es also falsch macht, ist dann ja irgendwie auch egal.  

Gendern macht Texte umständlich und holprig –
Margot (Freie Senior Beraterin): 

Gendern widerspricht meinem Sprachgefühl. Es macht Texte umständlich und holprig. Formulierungen wie „Studentinnen und Studenten“ ermüden auf Dauer. Alternativen wie „die Studierenden“ oder, noch schlimmer, „das Studierendensekretariat“, wie es nun ganz offiziell an den Hochschulen heißt, sind einfach absurd. So etwas hat die deutsche Sprache nicht verdient.

Trotzdem werde ich auf Dauer nicht daran vorbeikommen. Gendern wird immer häufiger erwartet und entspricht dem Zeitgeist. Man hat sich daran gewöhnt. Sogar ich stolpere schon darüber, wenn nur die männliche Form verwendet wird. Doch wenn schon Genderlösung, dann bitte in der Variante KollegInnen, TexterInnen oder KundInnen. Damit kann ich mich einigermaßen arrangieren. Von hier aus wäre auch der Schritt zum derzeit diskutierten Genderstern nicht so groß. Er steht für völlige Gleichbehandlung von Männern, Frauen und Menschen mit sonstigen sexuellen Orientierungen und holt alle als Leser*innen ab. 

Unsere Sprache zu verkomplizieren
finde ich unnötig –
Mirjam (PR-Beraterin): 

Ich nehme das Thema durchaus ernst, beschäftige mich mit den Pros und Contras der Debatte. Die Hintergründe, Motivationen und Geschichten, die dem Gendern zugrunde liegen, sind mir zu vielschichtig, als dass ich eine für mich befriedigende Antwort dafür oder dagegen finden könnte. Ich persönlich fühle mich auch angesprochen und wohl in meiner Haut, wenn „nur“ von "PR-Beratern" die Rede ist. Aber ich bin ja Texterin und lege deshalb Wert auf Ästhetik beim Schreiben. Unsere Sprache zu verkomplizieren finde ich unnötig und deshalb die mittlerweile üblichen Gender-Erklärungen ausreichend.

(Zur besseren Lesbarkeit werden personenbezogene Bezeichnungen, die sich zugleich auf Frauen und Männer beziehen, generell nur in der männlichen Form angeführt. Dies soll jedoch keinesfalls eine Geschlechterdiskriminierung oder eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes zum Ausdruck bringen.)

 

Wie ist eure Meinung zum Thema Gendern? Schreibt es in die Kommentare.

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Katrin Möllers

Geschäftsführerin

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